In Osttirol hat es wunderbar viel geschneit. Wenige kamen auf die Idee, darüber zu jammern. Die Menschen waren froh, wieder einmal „richtig Winter“ zu erleben. Nächtelang halfen die Menschen zusammen, um Dächer durch „Schneeschöpfen“ vor dem Einbruch zu retten.
Eine Nacht war ich auch dabei. Wir befreiten einen Flugzeughangar von der Last des Schees. Mit im Team ein lieber Fliegerkollege. Florian. Plötzlich, irgendwann um 2:00 Uhr früh begann Florian, schwitzend Gedichte zu zitieren. Die Stimmung stieg. Im Vollmond war Zeit um über diese stille, dunkle Zeit nachzudenken.
Die Zeit um die Wintersonnenwende, der kürzeste Tag im Jahr, wurde seit alters her in allen Kulturen mit Festen und Riten begangen. Bereits der Mithraskult in Vorderasien feierte an diesem Tag die Geburt des Lichtgottes. In Rom dauerte das Winterfest (Saturnalien) vom 17. Dezember bis zum Neujahrstag und wurde im 2. Jhdt. durch den Dichter Lukian als eine Zeit zum „Trinken und Betrunkensein, Lärmen, Spielen und Tanzen, der Ernennung von Königen und Bewirtung der Sklaven“ beschrieben. Freunde, Kinder und die Armen wurden beschenkt; die Häuser wurden mit Efeu, Stechpalmen- und Mistelzweigen geschmückt, jegliche Arbeit wurde verboten. Das Hauptfest wurde am 25. Dezember als der Tag der Sonnenwende gefeiert, wobei zu Ehren der neu aufsteigenden „Siegerin Sonne“ große Feuer angezündet wurden.
Ein Gedicht, das Florian, passend zu dem was diese Zeit bietet, zitierte:
STUFEN
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Hermann Hesse
Vielleicht nimmst Du Dir Zeit, um in diesen, Deinen Zyklus einzutauchen. Am 21. Dezember ist die längste Nacht. Dann kommt das Licht wieder. Und ein wunderbares Fest.
Danke Florian, Danke Hermann!